#art 20. Mai 2016 //

Stroke Art

[dropcap]W[/dropcap]er mit uns auf der Streetart Safari war oder zumindest den Bericht gelesen hat weiß, daß München eine lange Tradition in puncto Streetart hat. Die Kunstmesse Stroke, die vor zwei Wochen stattfand und sich mit urbaner Kunst beschäftigt, baut diese besondere Stellung aus. Die Galerien haben im Vorfeld bewusst die Künstler und Sprayer aus der Anonymität der Strasse herausgenommen und stellen sie einem breiten Publikum vor. Gesprayt wird nicht mehr in Nacht- und Nebelaktionen, sondern beim Livepainting im Innenhof. Es ist fast wie bei einem Atelierbesuch, wo man den Künstlern über die Schulter schauen kann.

Das greift auch den Trend der letzten Jahre auf, der darauf setzt primär auf legale Flächen zu sprayen. Das was ursprünglich die Kunstform Streetart ausmachte – Illegalität, Vergänglichkeit, Ortsverbundenheit und Öffentlichkeit – verschwindet dadurch und geht auf diese Weise im allgemeinen Kunstbetrieb auf. Denn indem man sich Leinwände als neuen Untergrund sucht, sind die Werke nicht mehr flüchtig und die Kunst wird wird dadurch selbst verkäuflich und transportabel. Das wiederum macht die Kunst an sich zahmer, nimmt ihr ein wenig das Rebellische.

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Stencil auf der Stroke Art | Foto: Monika Schreiner

Besonders gefallen hat mir bei meinem diesjährigen Rundgang das Berliner Künstlerkollektiv Innerfields. Die Protagonisten ihrer Gemälde stellen sie weißen Rechtecken gegenüber. Diese weissen Flecken sind Platzhalter für Handys und Tabletts, die der Betrachter automatisch in seinem Kopf im Bild ergänzt. Durch diese Leerstellen wird der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, aber es wird dem Betrachter auch die zentrale Rolle, die Kommunikation inzwischen spielt bewusst.

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Innerfields | Foto: Monika Schreiner

Beeindruckend fand ich auch die Münchner Galerie Flash. Es ist ein Familienbetrieb. Die Mutter malt, die eine Tochter ist Galeristin und die andere Tochter – Victoria Porkay – ist ebenfalls Künstlerin. Sie malt bzw. sprayt ihre Ölgemälde auf Kilims, türkischen Teppichen, die die Exotik ihrer Portraits noch unterstreichen. Ihre Bilder verkaufen sich gut und mit ihren gerade mal achtzehn Jahren ist sie wirklich ein aufgehender Stern am Kunsthimmel.

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FKA Twigs von Victoria Porkay | Foto: Monika Schreiner

Gut gefallen hat mir auch das Projekt Cloud der Künstlergruppe Tandem, das bereits auf der ISPO gezeigt wurde. Der kanarische Künstler Rafa Moreno-Tapia hat aus Abfallgegenständen (Plastik, Papier und Stoffreste) eine Installation aus lauter einzelnen Wolken geschaffen, die von der Decke hängen. Diese konnten von den Besuchern einzeln erworben werden. Mit dem damit verdienten Geld wird das Shades of Love Projekt unterstützt, das die Bergvölker im Himalaya sich vor der dortigen intensiven Sonnenstrahlung mittels Brillen schützen können.

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Rafa Moreno-Tapia vor der Installation Clouds | Foto: Monika Schreiner

Ein weiterer Favorit war der Künstler Peintre X, der Neonschriftzüge in seinen Portraits leuchten lässt. Eine Besonderheit bei ihm ist, daß er gelegentlich seine Bilder einfach so zur Mitnahme auf die Strasse stellt.  Der Finder und neue Besitzer soll allerdings im Gegenzug an eine gemeinnützige Organisation spenden.

Für alle, die nicht auf ihr Glück vertrauen wollen, eines zufällig zu finden: über die Galerie Cornelia Walter.com kann man ein Bild von Peintre X regulär erwerben.

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Kalla von Peintre X | Foto: Monika Schreiner

Es gäbe noch viele kleine Geschichten zu erzählen, aber schaut nächstes Jahr einfach selber vorbei. Es lohnt sich. Was die Stroke Artfair ausmacht, ist daß man nah an den Künstlern und Galeristen dran ist und somit schnell mit beiden ins Gespräch kommt. Und wie ihr anhand der drei herausgepickten Geschichten sehen könnt, man kann spannende Entdeckungen machen.

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Stencils auf Kartons zum Mitnehmen | Foto: Monika Schreiner

Ausklingen kann man den Besuch auf der Stroke immer ganz gechillt am Praterstrand oder im Innenhof an einem der zahlreichen Foodstände. Munich Urban Lifestyle total! Einige der Künstler wie zum Beispiel Victoria Porkay sind bereits vom 02.06. bis 06.06.2016 wieder auf der Praterinsel bei der artmuc zu sehen.


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1 Kommentar

  • Antworten
    Dein Viertel. Deine Leinwand. » ISARBLOG
    15. Juli 2016 at 09:49

    […] wirklich sehen lassen. Nicht zuletzt deshalb, weil man mit mit Marco Schwalbe ( einer der beiden STROKE ARTFAIR Gründer ) und Redbull zwei weitere wichtige Mitstreiter für dieses Projekt gewinnen […]

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