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Marienplatz Sperrengeschoß

Irgendwann während der Wiesn wurde mir klar daß das sogenannte Sperrengeschoß unter dem Marienplatz nur noch wenige Tage so aussehen wird, wie es sich die letzten Jahre präsentiert hat. Der Wettbewerb für die Renovierung und Umgestaltung ist längst entschieden und das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner, das bereits die Modernisierung der unterirdischen Passagen am Stachus geplant hat, wird zusammen mit dem Münchner Leuchtenhersteller Ingo Maurer die öffentlichen Räume unter dem Marienplatz modernisieren.

Das heutige Erscheinungsbild geht zurück auf einen Entwurf des Architekten Alexander von Branca und dem was der Zahn der Zeit daraus gemacht hat. Die alte Gestaltung stammt aus einer Zeit, in der man Fahrkarten noch bei Menschen erwarb, die in einem Kassenhäuschen sassen und sicher auch gerne Auskunft gaben, welche UBahn man nehmen muss, wenn man zur Münchner Freiheit möchte und ob man für den Dackel einen extra Fahrschein braucht. Heute werden diese Aufgaben mehr recht als schlecht von diversen Automaten und Bildschirmen übernommen.

Die ursprüngliche Gestaltung mit den auffälligen blauen Fliesen und den orange lackierten Einbauten macht sich eigentlich gar nicht schlecht in einer Zeit, in der “Retro” zum Motto vieler neuer Innenausbauprojekte ausgerufen wird. Zusammen mit den nachträglichen Veränderungen und vor allem mit den unkontrolliert wuchernden Werbeflächen mit Ihren typografischen Sünden ergibt sich in dieser “Unterwelt” ein Gesamterscheinungsbild das jenseits von Gut und Böse ist und einer Stadt wie München nicht gerade schmeichelt. Nachdem auch Bauschäden durch eintretende Feuchtigkeit dem Sperrengeschoss ordentlich zusetzen, war es nur eine Frage der Zeit bis man sich diesem Thema annehmen würden. Nun da die Wiesen vorbei ist und damit auch die Tourismussaison zu Ende geht, ist diese Zeit gekommen. Sukzessive aber in kleinen Schritten wird bei laufendem Betrieb das Untergeschoss vom hässlich bunten Entlein in einen strahlend weissen Schwan verwandelt.

In den letzten Jahren bin auf dem Weg in die Arbeit sehr oft durchs Marienplatz Sperrengeschoß gelaufen und irgendwie hatte ich immer ein sehr zwiespältiges Gefühl dabei. Zum einem wollte ich so schnell wie möglich den unkontrolliert umherlaufenden Menschenmassen dort entkommen und andererseits hatte dieser Ort etwas an sich, daß ich nicht in Worte fassen kann. Wie anfangs erwähnt wurde mir irgendwann im September klar, dass es diesen Ort in dieser Form nicht mehr lange geben wird. An einem frühen Samstag morgen habe ich dann meine Kamera einpackt, bin zum Marienplatz gefahren und habe dort ein paar Fotos gemacht.

Nachtrag 27.11.2011: Der Stadtneurotiker hatte im bereits im März den selben Gedanken und hat ebenfalls eine Galerie veröffentlicht.

 

9 Comments

  • Reply
    Onkel Sebastian
    20. November 2011 at 11:33

    Wunderschön,vielen Dank dafür!

    Ganz groß:
    “unkontrolliert wuchernden Werbeflächen mit Ihren typografischen Sünden”

    • Reply
      Gerhard Bauer
      20. November 2011 at 22:01

      Bitte und Danke!

  • Reply
    Thoughtstrudel.com
    20. November 2011 at 19:38

    Hässlich, aber werd ich vermissen.

    • Reply
      Gerhard Bauer
      20. November 2011 at 22:06

      So ähnlich geht’s mir auch. thoughtstrudel.com ist ein toller Domainname! Du hast ihn hier falsch geschrieben, ich hab den link korrigiert, damit er funktioniert.

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    Stadtneurotiker
    26. November 2011 at 19:20

    Ich habe mich Anfang des Jahres an einen Sonntag Morgen dort auch ausgetobt: Gleiche Überschrift, ohne Komma dazwischen

    • Reply
      Gerhard Bauer
      27. November 2011 at 23:18

      Oh, da hatte ich ja die gleich Idee wie du nur ein paar Monate später.

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    Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf
    27. November 2011 at 09:10

    […] “Irgendwann während der Wiesn wurde mir klar daß das sogenannte Sperrengeschoß unter dem Marienplatz nur noch wenige Tage so aussehen wird, wie es sich die letzten Jahre präsentiert hat.” Isarblog: Marienplatz Sperrengeschoss […]

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    Andrea
    20. März 2012 at 13:32

    Als 64er-Jahrgang bin ich ja sozusagen damit aufgewachsen, die knalligen Farben haben in die Aufbruchszeit und prima zu den tollen Gestaltungskonzepten Otl Aichers für die Olympischen Spiele ’72 gepasst. Ich weiß nicht, ob man das Ganze, mal abgesehen von den Abnutzungserscheinungen, so noch ins 21. Jahrhundert retten könnte, da müsste man schon stark entkernen, entrümpeln, entmüllen und dann stimmen die Werbe- und Mieteinnahmen wahrscheinlich nicht mehr. Mal schauen, wie man den Stachus in ein paar Jahren empfinden wird, momentan erscheint er mir augen- und verkehrsfreundlicher als vor der Renovierung. Auch wenn ich darauf warte, wie lange die Tauben brauchen, bis sie die Deckenverkleidung als Nistplätze entdecken…

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    Osram setzt Highlight im Münchner Untergrund
    18. Dezember 2015 at 15:31

    […] Eine Bildergalerie des Isarblogs zeigt das Sperrengeschoss am Marienplatz unmittelbar vor Beginn des Umbaus: http://www.isarblog.de/marienplatz-sperrengeschoss […]

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