#art/ #music 23. März 2018 //

Vergehen – eine Oper im öffentlichen Raum

Vergehen Oper App

Mit der Vergehen App an der Isar | Foto: Monika Schreiner

Ich bin abends an der Isar unterwegs, als ich sie das erste Mal höre. Die Sirene. Sie lockt mich in eine bestimmte Richtung. Unterstützt durch den Kompass des Handys, gelange ich schließlich unter der Brücke beim Maximilianeum. Gesteuert werde ich von der App „Vergehen“, die mir Anweisungen, was ich als nächstes tun soll, nämlich Kopfhörer aufsetzen und losgehen.

https://itunes.apple.com/de/app/vergehen/id1190301311?mt=8

Auf dem Steg lausche ich der Musik der Opernmusik von Mathis Nitschke, der neben der Sängerin Sarah Aristidou auch als Sprecher agiert. Der Titel Vergehen kommt daher, da Ihr Euch die Oper erlauft. Sie ist interaktiv und sie funktioniert nur für die Wegstrecke, Für den Raum, für die sie komponiert wurde. Je nachdem, ob man schneller oder langsamer geht, änderet sich das Gehörte. Der Sound der Isar wird dabei in die Komposition integriert.

Vergehen Oper App

Auf dem Steg unterhalb des Maximilianeum | Foto: Monika Schreiner

Zwischendurch werdet Ihr auch aufgefordert einen roten Knopf zu drücke. Vergehen ist nicht die erste Oper von Mathis Nitschke im öffentlichen Raum.  Er realsierte bereits zwei Aufführungen in München, bei denen das Publikum Musik hörte während es aus dem Schaufenster schaute. Die Realität draussen wurde so auf die Opernbühne “gehievt”. Ein weiteres Projekt folgte letzten Herbst mit der Mixed-Reality-Techno-Oper Maya in einem alten Heizkraftwerk. Die aktuelle Produktion “Vergehen” ist Teil des Faustfestivals.

Über den Kabelsteg gelangt man auf die Praterinsel | Foto: Monika Schreiner

Der Spaziergang zwischen Maximilianeum und Wehrsteg dauert je nachdem ob man sich Zeit läßt oder nicht, bis zu einer halben Stunde und beschäftigt sich thematisch mit dem Erinnern und dem Augenblick. Inspiriert wurde Mathis Nitschke unter anderem von Douglas Trumbulls Film „Projekt Brainstorm“, Benjamin Steins Roman „Replay“ und vor allem Judith N. Kleins Essay „Rückkehr nach Lindeira“.

Die Vergehen Oper nutzt die Kulisse der Münchener Isar als “Bühnenbild“ sagt der Komponist Nitschke. Und das ist besonders schön, bewegt sich doch der Opernspaziergänger immer über Stege und dem Wasser der Isar. Einen hebt Mathis Nitschke besonders hervor – den Kabelsteg. Die Instrumentalmusik KABELSTEG war nämlich der erste Teil der auf dem Weg zur App. Für sie wurde die Musik in 3D Audio arrangiert, so dass Ihr zum Beispiel bei dem mehrstimmigen Gesang die Stimmen rund um Deinen Kopf plaziert sind.

Vergehen Oper App

Die Anweisungen der Vegehen App sind entweder gesprochen oder als schriftlich | Foto: Monika Schreiner

Ich gehe den Weg mehrmals, am Tag und am Abend, mit und ohne Kopfhörer, schnell, langsam. Immer ist es schön, allerdings was ein bisschen schade ist, dass man die Vergehen Oper immer nur an einem Punkt starten kann. Natürlich ist mir bewußt, dass die Oper für die einzelne Orte auf dem Weg konzipiert wurde und einer gewissen Abfolge, Dramaturgie bedarf.  Trotzdem wäre ich gerne einmal etwas später eingestiegen, weil ich etwas nochmals hören wollte und keine Lust hatte, den ganzen Weg wieder zurückzulaufen.

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Vergehen

ein musikalischer Hörspaziergang über das virtuelle Erinnern in einer realen Welt

Sopran: Sarah Aristidou
Sprecher: Sarah Aristidou, Mathis Nitschke, Google Android
Cello: Anja Lechner

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