Kunst & Kultur

Schmankerl Time Machine

Die Aufbereiten von Sammlungsbeständen von Museen und Bibliotheken mal anderes denken. Das hat sich das Literaturarchiv der Monacensia gedacht, als sie die Daten ihrer Speisekartensammlung dem Projekt “Coding Da Vinci” übergeben hat.

Bei Coding da Vinci handelt es sich um den ersten deutschen Hackathon für offene Kulturdaten. Bei dem Wettbewerb treten technikaffine und kulturbegeisterte Communities gegeneinander an, um die Daten für ein größeres Publikum nutzbar zu machen. Daraus entstanden ist unter anderem die Schmankerl Time Machine.

Schmankerl Time Machine Startseite | Screenshot Webseite

Auf der Webseite könnt Ihr anhand der Speisekarten sehen, wie sich die Esskultur der letzen 150 Jahre im Münchner Raum entwickelt hat. Ausgewertet wurden die Karten aus Wirtshäusern, aber auch vom Oktoberfest. Schon ihr Anblick beim Durchblättern ist manchmal kurios. Eine besonders schöne zum Beispiel hat das P1 in den 1960er Jahren gehabt.

Speisekarte des P1s von 1960 | Foto: Monacensia

Was läßt sich aber damit sonst noch machen? Die Speisekarten geben Aufschluss auf vielerlei Fragen. Aus den Daten können zum Beispiel Kulturhistoriker ablesen, ob es Variationen bei den Beilagen wie zum Beispiel beim Schweinsbraten gibt. Aber auch kulturelle Strömungen lassen sich erforschen. Zum Beispiel läßt sich feststellen, dass in den 20er Jahren vermehrt auch vegetarische Gerichte auf die Karte kamen. Was damit zu tun hat, dass damals das Vegetariertum in gewissen Kreisen modern wurde. Auf sprachlicher Ebene ist die Schmankerl Time Machine ebenfalls interessant. Zum Beispiel hinsichtlich der Frage, ob sich irgendwann vielleicht die Speisenbezeichnung verändert hat? Nicht zu vergessen ist die Stadtgeschichte, denn viele der aufgeführten Häuser gibt es bereits nicht mehr.

Speisekarte des Karikatu von 1935 | Foto: Monacensia

Ergänzt wurden die Daten zum einen mit Wirtshausbildern aus dem Stadtarchiv München (soweit vorhanden) sowie einem Link auf das entsprechende Gerichte bei Chefkoch verknüpft.

Schmankerl Time Machine Screenshot

Die “Schmankerl Time Machine” ist das Ergebnis der Arbeit von Osman Cakir, Linus Kohl, Alexandra Reisser, Stefanie Schneider und Julian Schulz. Sie haben mit ihrem Projekt beim Hackaton den Preis in der Kategorie „most technical“ gewonnen. Eine große Herausforderung für das Team war es die 380 Speisekarten, die zum Teil handschriftlich verfasst wurden, zu entziffern.

Das Wirthaus im Spessart von 1959 | Foto: Monacensia

Wie geht es weiter? Das Projekt ist durchaus noch nicht abgeschlossen. Das Erfassen und das wissenschaftliche Auswerten von ähnlichen Sammlungen ist zwar nicht geplant, würde sich aber anbieten. Gesucht werden noch aktuelle Speisenkarten. Ihr könnt Euch also am Projekt beteiligen. Einsendungen werden allerdings nur digital entgegen genommen.

Seit vielen Jahren bin ich begeisterte Bloggerin. Im ISARBLOG stelle ich Euch zusammen mit Gerhard das München vor, das wir lieben und wir erzählen Euch von Menschen und Orten, die uns begeistert haben.