Im Namen Gottes

Es ist gerade chic auf deutschen Bühnen Stücke zu inszenieren in denen sich (Ehe-)Paare "im Namen Gottes" streiten. Dies gilt für Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ genauso wie für Roland Schimmelpfennings „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“.
Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes Cuvilles Theater | Foto: Arno Declair
Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes | Foto: Arno Declair

Es ist gerade chic auf deutschen Bühnen Stücke zu inszenieren in denen sich (Ehe-)Paare „im Namen Gottes“ streiten. Dies gilt für Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ ( jetzt auch vom Theater auf die Kinoleinwand gewandert ) genauso wie für Roland Schimmelpfennings „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“, welches Martin Kusej nun auch nach München gebracht hat. Dieses Stück, das der neue Intendant des Residenztheaters noch vor Antritt seiner Amtszeit für das Deutsche Theater Berlin bearbeitete, ist dem Regisseur sozusagen zu seiner neuen Wirkungsstätte nachgefolgt oder besser gesagt, er leiht es sich von dort immer wieder aus. Sozusagen als immer wiederkehrendes Gastspiel.

So pendelt „Peggy Pickett sieht das Gesicht Gottes“ zwischen München und Berlin hin und her und mit ihm die Schauspieler ( Maren Eggert, Ulrich Matthes, Sophie von Kessel, Norman Hacker ) und das Bühnenbild. Aber was in Berlin funktioniert, funktioniert in München noch lange nicht. Ich denke hier insbesondere an das Bühnenbild, einem nach oben hin geschlossener quadratischer Kasten, der sich für das durch Ränge geprägte Cuvielliéstheater nicht so richtig eignet. Sitzt man weiter oben, ist die Sicht stark eingeschränkt. Von den Emotionen der Schauspieler bleiben buchstäblich nur die Schatten übrig.

Das Stück an sich ist politisch und aktuell. Es entstand in Zusammenhang mit einem Afrikaprojekt und thematisiert die persönliche Verantwortung der reichen Länder wie Deutschland im Bereich der Entwicklungshilfe. Wie hilft man Leuten, die Hilfe brauchen, aber denen der Einzelne aufgrund der politischen Situation im Land nicht oder nur bedingt helfen kann. Wieweit kann und soll man gehen? Was ist das Leben wert? Das der Helfer und das der Afrikaner. Eingebetet sind diese Fragen in die Lebensgeschichte und den Dialog zweier befreundeter Paare um die vierzig, die sich nach sechs Jahren wieder sehen. Martin und Carol waren in der Entwicklungshilfe tätig und Liz und Frank haben sich für ein herkömmliches Leben entschieden: Arbeit, Kind, Haus. Zwei Welten stoßen aufeinander. Die heile Welt der Dagebliebenen und die desillusionierte der zurückgekehrten Helfer. Der mit Spannung erwartete Reisebericht entpuppt sich als Schreckensvision. Wie um die Nachrichten zu verdauen, wiederholen die Schauspieler einzelne Sätze des Berichts immer wieder.

Es ist wichtig diese Thematik im Theater aufzugreifen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Jedoch ist es gerade diese Tatsache, die mich im Anschluss beschäftigte. Welche Stoffe sind in Zukunft noch interessant für die Bühne? Warum gibt es so wenig gute neue zeitgenössische Dramatik? Parallel dazu bedient man sich in den Münchner Kammerspielen überwiegend der Stoffe von Romanvorlagen. Ein Trend der Zukunft? Vielleicht gibt ja das Treffen der Intendanten der drei größten Münchener Theater, das am kommenden Sonntag vormittag stattfindet, Aufschluss darüber.

PEGGY PICKIT SIEHT DAS GESICHT GOTTES 

von Roland Schimmelpfennig
Regie: Martin Kušej

mit Maren Eggert, Norman Hacker, Sophie von Kessel, Ulrich Matthes

Cuvilliés-Theater München | www.residenztheater.de

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