Los Santos Inocentes

So habe ich den Carl Orff Saal noch nie gesehen. Für das SPIELART Festival wurde er umgebaut und es wurde ein Zuschauerraum in einem Zuschauerraum gebaut. Auf der kleinen Tribüne sitzt man praktisch direkt im Bühnenbild der Aufführung Los Santos Inocentes der kolumbianischen Truppe Mapa Teatro. Die Hauptdarstellerin feiert Geburtstag und man wird somit Teil Ihrer Feier. Wenn nicht der Anlass eher trauriger Natur wäre. Da sie sich aufgrund Ihres Geburtsdatums, dem Tag der „Unschuldigen Kinder“ (Los Santos Inocentes , 28.Dezember), immer anstössigen Witzen ausgesetzt fühlte, will sie mit einer Reise nach Guapi dem Entfliehen und dort mit der Bevölkerung auf der Strasse richtig feiern. Dort aber findet sie nicht den erwarteten Karneval, sondern zögerliche Menschen, die Angst haben vor einer Bombendrohung und Männer in Frauenkleidern mit Peitschen und billigen Gruselmasken. Der Gang durch die Strassen wird für sie zum Alptraum. Genauso wie es die Geschichte von Guapi in Wirklichkeit ist. Mittels Videoprojektionen vermengt sich das Geschehen auf der Bühne mit nachgestellten Sequenzen vom Leben dort. Schwarzweissprojektionen überlagern das ach so bunte Bühnenbild mit Konfettis und Luftballons. Kontraste auch bei der Musik. Schrille Töne aus Lautsprechern lösen sich mit live gespielten Xylophonklänge ab.

Am Schluss, wie bei einem Filmabspann, eine Totenliste des kolumbianischen Paramilitärs. Der Kindermord in Bethlehem auf den das Fest „Los Santos Inocentes“ Bezug nimmt bekommt dadurch nochmals eine andere Ebene. So endet eine Geschichtsstunde der besonderen Art. Kaum jemand aus dem Publikum traut sich zu klatschen. Erst als das Xylophon scheinbar heitere Klänge anstimmt beginnt sich die Anspannung zu lösen.

Nach der Aufführung im Gasteig haben wir uns den kurzen Weg hinunter zur Muffathalle gemacht, um dort noch einen weiteren Festivalbeitrag an diesem Abend anzuschauen: „This is how you will disappear“ von Gisèle Vienne.

Spielart Festival 2012

Das Münchner SPIELART Festival dauert noch bis zum 4. Dezember 2012

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