Hoergang in Bogenhausen

Der Hoergang findet immer einmal im Jahr in einem anderen Münchner Stadtviertel statt. 2017 waren wir in Bogenhausen unterwegs.
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Die wunderschöne Villa Lamont | Foto: Monika Schreiner

Der Hoergang findet immer einmal im Jahr in einem anderen Münchner Stadtviertel statt. 2017 waren wir in Bogenhausen unterwegs.

Bogenhausen ist ein mondänes Viertel, vorwiegend zum Wohnen. Besonders die wirtschaftliche und politische Elite Münchens fühlt sich hier wohl. Im Mai fand dort der Hörgang statt. Viele Menschen waren unterwegs, um Lesungen zu hören und unbekannte Orte zu entdecken. Bogenhausen ist größer, als man vielleicht denkt. Wir erkunden das Gebiet zwischen der Prinzregentenstrasse bis nach Oberföhring. In Wirklichkeit ist Bogenhausen noch viel grösser, denn Daglfing, Denning, Englschalking  und Johanneskirchen gehören auch noch zum Bezirk dazu.  

  Wir beginnen mit unserer Tour in der Villa Lamont. Dort spielen zwei Mitglieder der Münchner Philharmoniker für uns. Für mich der perfekte Anfang. Wer an Bogenhausen denkt, dem fallen auch Villen einenund was passt besser dazu als Kammermusik mit Geige und Klavier im kleinen Rahmen. Da fühlt man sich um Jahrhunderte in der Zeit zurückversetzt, auch wenn die gespielte Musik ungleich moderner ist. Mit osteuropäischen Stücken und amerikanischen Jazz erfreuen die Geigerin Ilona Cudek und Manfred Manhart am Klavier das Publikum.   Unser nächstes Ziel ist das Pegelhaus. Es ist nicht weit weg. Wir radeln an die Isar und folgenden den Ballons im Park. Es dämmert bereits und man sieht schon aus einiger Entfernung die schöne Lichtinstallation des Künstlers Philipp Frank. Er hat den eher unscheinbaren Bau gerade erst mit Grafittis versehen. Nun überlagern sich Grafittis und die Projektionen und verschmelzen zu einem grossen Ganzen.  

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Leuchtender Leseraum an der Isar | Foto: Monika Schreiner

Aber das ist nicht die einzige Attraktion, die das Pegelhaus zu bieten hat. Es ist übrigens das einzige seiner Art in Münchnen. Das nächste befindet sich erst wieder in Freising. In ihm werden der Wasserstand und -temperatur gemessen, sowie die Strömung der Isar kontrolliert. Während außen die Bilder flimmern, tanzen im Inneren die Worte.  

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Lesung zwischen Messgeräten: Romana Ganzoni | Foto: Monika Schreiner

  Es liest für uns die Schweizer Autorin Romana Ganzoni. Sie wurde vor drei Jahren für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. In ihrer Geschichte geht es um einem ungewöhnlichem Kaffeehausbesuch.   Viel Grün und ein schöner Sonnenuntergang begleitet unseren weiteren Weg Richtung Oberföhring. Auf der Strecke kommt uns auch der Oldtimer Shuttlebus entgegen, der zwischen dem Herkomerplatz und dem Bürgerpark Oberföhring hin und her pendelt und die Hoergang Besucher aufsammelt und sie zur nächsten Station bringt.  

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Schöner Sonnenuntergang nahe des Effnerplatzes | Foto: Monika Schreiner

  Unser Ziel ist die Sammlung Goetz, das Zentrum für zeitgenössische Kunst und Sammlertätigkeit ( mit Schwerpunkt Video und Film ) in München. Das Gebäude, 1993 von Herzog und de Meuron fertig gestellt, befindet sich gegenüber dem Eingang zum Bürgerpark. Das Schöne ist, dass wir nicht nur eine Lesung hören dürfen, sondern auch die Sammlung besuchen. Diese ist sonst immer nur ein paar Stunden die Woche geöffnet und nur nach vorheriger Anmeldung zugänglich. Zur Zeit wird dort unter anderem die Ausstellung “Re-Entry” von Gerwald Rockenschaub gezeigt. Ronja von Rönne – eine gerade sehr angesagte Pop-Poetin – liest aus ihrem Buch “Heute ist leider schlecht: Beschwerden ans Leben”. Als Zugabe gabs noch einen Text von ihrem Smartphone. Den Zuhörern gefällt die schnoddrige Art und sie zaubert das ein oder andere Schmunzeln auf die Gesichter der Menschen.  

Ronja von Rönne in der Sammlung Goetz
Ronja von Rönne in der Sammlung Goetz | Foto: Monika Schreiner

  Die letzte Station unseres Abends liegt nur einen Steinwurf entfernt, auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Direkt am Eingang des Bürgerparks liegt ein Puppentheater. Es existiert nun bald 30 Jahre und befindet sich im ehemaligen Pförtnerhaus des Geländes. Denn der Bürgerpark ist einer der wenigen Orte in München, der nicht dem Flächenoptimierungswahnsinn zum Opfer gefallen ist. Als auf dem Gelände das frühere Behelfskrankenhaus geschlossen wurde, haben sich Vereine das Recht erstritten, den Ort zu nutzen zu dürfen. Seitdem befinden sich dort mehrere Vereine, es gibt eine Galerie, das stark in der Subkultur verhaftete Kafe Kult und eben ein Puppen- und Kasperltheater. Im Theater gibt es auch ein kleines Café, in dem wir die Wartezeit überbrücken. Viele Leute kommen angelockt von dem Duft der Waffeln einfach herein und nehmen sich was mit auf die Hand.  

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  An diesem Abend tritt jedoch kein Kasperl auf, sondern Marco Frohberger. Sein Interesse gilt Kurzgeschichten und deshalb hat er zusammen mit Heinz Neidel den Antho?-Logisch! ins Leben gerufen. Die Kurzgeschichte, die uns der gebürtige Franke an diesem Abend vorliest, handelt von einem rastlosen Mann, der nicht einschlafen kann.  Auch unser Bett ist noch in weiter Ferne, denn gehen wir jetzt zum Partyteil über.  

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Das Kafe Kult | Foto: Monika Schreiner

  Ich finde das Kafe Kult immer wieder faszinierend. Es ist wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Ein bisschen runtergekommen und ich habe das Gefühl, die Geschichte des Orts hat sich in deren Mauern eingebrannt. Bei einem Besuch dort kann man nur erahnen, wieviele coole Bands dort bereits aufgetreten sind. Es finden dort in regelmässigen Abständen Konzerte statt. Ich nehme mir vor, in Zukunft öfter hierher zu kommen. Aber nicht nur ins Kafe Kult. Denn es gab wieder etliche Orte beim Hoergang, die wir gerne besucht hätten. Auch die nehmen wir uns vor, zu einem späteren Zeitpunkt zu erkunden. Aber jetzt wird erst Mal gefeiert. Prost!  

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Stickerwall im Kafe Kult | Foto: Monika Schreiner
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