Dinner um Acht mit Claudia Zaltenbach

Caudia Zaltenbach ist Münchens bekannteste und erfolgreichste Foodbloogerin. Dabei stammt sie ursprünglich gar nicht aus Bayern, sondern aus Baden, das aber nicht weniger genussfreudig ist. Und weil sie immer für 20 Uhr einen Tisch bestellt, hat sie ihr Foodbloog Dinner um 8 getauft.

In ihrem Food- und Reiseblog Dinner um Acht dreht sich seit 2010 alles um die Kochtöpfe der Welt. Denn Reisen und Essen, das sind die zwei Passionen, die Claudia ausmachen. Auf dem Blog findet Ihr deshalb viele unterschiedliche Rezepte rund um den Globus. Die Inspirationen holt sie sich direkt vor Ort. In ihrer Crossover Küche mischt sie auch gerne Rezepte aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir Claudia bei Veranstaltungen und Events begegnen. Beim Kulinarikfestival Taste of Munich hat sie uns und den anderen Besuchern als Showköchin gezeigt, wie man Okinawa Ginger Beef macht. Ein schönes Erlebnis war auch der gemeinsame Kochabend bei Andi Schweiger zum Thema Pana Gradano.

Claudia Zaltenbach von Dinner um Acht
Claudia von Dinner um Acht ist auch eine gefragte Showköchin | Foto: ISARBLOG

Der Erdteil, den Claudia die letzten Jahre besonders oft bereist ist, ist Asien. Zum einen hat sie dort ihre Liebe für Tofu entdeckt, zum anderen für Miso. Da beide Produkte in Deutschland bisher wenig Beachtung gefunden haben, hat sie dazu zwei Bücher veröffentlicht, die mittlerweile als Standardwerke bezeichnet werden können. Die Bücher enthalten viele spannende Rezepte und vermitteln ausführliches Hintergrundwissen. Beide Bücher haben zahlreiche Preise gewonnen. Das Tofu Buch wurde als eines von dreien Kochbüchern mit „Best in the World 2020“ vom World Gourmand Cookbook Award in der Kategorie „Japan“ augezeichnet. Grund genug, sich mal eines ihrer Bücher genauer anzusehen. Wir haben uns für Tofu entschieden und die Teigtäschen mit Räuchertofu nachgekocht.

Die Teigtäschen bestehen aus Filoteig und fein geriebenem Räuchertofu als Füllung. Sie eigenen sich zum Beispiel gut als Fingerfood für die nächste Party. Im Buch findet man viele weitere spannende Gerichte wie Chawanmushi und Yuba Salat. Allerdings ist dieses Buch kein Anfängerbuch, sondern es erfordert ein gewisses Mass an Kocherfahrung. Auch die Zutaten bekommt man nicht in jedem Supermarkt, für viele muß man in einen gut sortierten Asia-Laden. 

Zutaten für die Teigtäschen: Räuchertofu und Sellerie | Foto: Isarblog

Claudia kauft am liebsten regional und saisonal ein. Gerade beim Fleisch achtet sie auf gute Qualität. Dafür geht sie gerne auf Märkte oder zum Metzger. Ihr Lieblingsort in München ist der Viktualienmarkt. Aber auch das Kräuterparadies Lindig in der Blumenstraße. Da bekommt Ihr Gewürze und Tees sowie einige Zutaten, die ihr für die Rezepte aus dem Misobuch brauchen könnt.

In die Umsetzung der Rezepte von Claudia fließt sehr viel Zeit. Bei einem Buchprojekt kommen schon mal sechzehn Monate zusammen, für ihr Blog Dinner um Acht wendet sie durchschnittlich zwei Tage die Woche auf. Denn sie macht alles selbst, von der Rezeptentwicklung über das Foodstyling bis hin zu den tollen Fotos. Gut, dass sich die Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik in ihrem Hauptjob die Zeit frei einteilen kann. Wir wollen mehr wissen und haben Claudia einige Fragen gestellt.

ISARBLOG: Hast Du schon mal daran gedacht, alles an den Nagel zu hängen und ein eigenes Gastroprojekt zu starten?

Claudia Zaltenbach: „Nein, das habe ich tatsächlich noch nie. Ich habe jahrelang während meines Studiums in der Gastronomie gearbeitet. Das ist genug. Eher reizen würde mich da das Fernsehen mit einer Reise / Kochshow.

So sehen die fertigen Täschen nach dem Rezept von Dinner um Acht aus | Foto: Monika Schreiner

ISARBLOG: Was machst Du in der momentanen Corona Situation?

Claudia Zaltenbach: „Ich versuche mich auf die Dinge zu konzentrieren, die grad angesichts der Krise aus dem Fokus gerückt sind. Meinen Balkon Bienenfreundlich zu bepflanzen oder Spenden an gemeinnützige Organisationen in der Flüchtlingskrise).“

ISARBLOG: Was hat bei Dir die Kochleidenschaft entfacht? Und wer hat Dir das Kochen beigebracht?

Claudia Zaltenbach: „Wenn ich das so genau wüsste.. Als ich mit 18 nach Amerika ging, um dort als Au-Pair zu arbeiten, sollte ich abends das Dinner zubereiten. Da musste ich mich damit auseinandersetzen. Und es hat mich nie wieder losgelassen. Die New York Times hat mir das Kochen beigebracht. Da war so ein Kochbuch, das die rausgebracht hatten, damals 1985. Ich hab einfach brav die Anweisungen befolgt und mein Englisch verbessert.“

ISARBLOG: Wenn Du kochst, kochst Du für Freunde oder Dich selbst?

Claudia Zaltenbach:Beides. Im Moment eher nur für mich weil das mit dem „social distancing“ ja befolgt werden muss. Ich finde, für sich selbst kochen hat viel mit Selbstachtung zu tun. Warum sollte ich die Mühe scheuen, mir was Leckeres zuzubereiten? Warum sollte ich mir, wenn ich alleine bin nur ne Stulle schmieren oder eine Dose aufmachen? Das käme für mich nie in Frage.

ISARBLOG: Worauf warst Du besonders stolz beim Kochen und was ist Dir mal total misslungen?

Claudia Zaltenbach:Die Liste mit den Misserfolgen beginnt in der Regel beim Thema Backen. Und beim Pralinenmachen bin ich eine echte Nullnummer. Was mir beim Kochen mal so richtig komplett misslungen ist, war eine Hollandaise und eine sehr zähe Weihnachtsgans. Doch mittlerweile hab ich beides im Griff. Stolz bin ich immer, wenn ich mir was Neues ausdenke, dass dann so lecker ist, dass ich es ein zweites Mal machen will. Und ich bin mega-stolz, dass ich für mein MISO Buch den Käsekuchen mit Himbeeren und weißem Miso gleich beim ersten Versuch hinbekommen habe.

Tofu kann so spannend sein… | Foto: Monika Schreiner

ISARBLOG: Wie bist Du auf Tofu und Miso gekommen?

Claudia Zaltenbach: „Bei Miso war es das einschneidende Erlebnis des Geschmacks, den ich schon Mitte der 80’er kennenlernte. Der hat mich nicht mehr losgelassen. Bei Tofu war es eher Zufall, denn ich hatte da lange mit mir gehadert, ob ich den überhaupt in meine Küche lassen soll, so langweilig fand ich ihn. Als er mir dann aber in Japan und Korea begegnete, musste ich feststellen „Hoppla, das geht ja auch richtig geil!“. Und da war mir klar –  wenn es mir so geht, dann gibt es noch ein größeres Potential.

ISARBLOG: Wie suchst Du Deine Reiseziele aus? Nach der Küche oder nach dem Land selbst?

Claudia Zaltenbach: „Der kulinarische Aspekt ist sicherlich der Entscheidende. Ein Land, das mich kulinarisch nicht interessiert, würde ich auch eher nicht besuchen. Da ich aber sehr viel mag, bleiben da ganz viele Länder übrig.“

ISARLBOG: Wenn Reisen wieder möglich ist, wo zieht es Dich als nächstes hin?

Claudia Zaltenbach: „Nach Kalifornien, Mexiko und den hohen Norden. Und ich will unbedingt die Färöer Inseln kennenlernen“.

Tofuteigtäschen – gar nicht schwer und so lecker | Foto: Isarblog

ISARBLOG: Was sind Deine Pläne und Projekte für Dinner um Acht für die nahe Zukunft?

Claudia Zaltenbach: „Das Thema Podcast beschäftigt mich grad sehr. Warum immer nur über Kulinarisches schreiben, wenn man auch darüber reden kann?“

ISARBLOG: Vielleicht magst Du uns noch zum Abschluss einen Schwank aus Deinem Leben als Feinschmeckerin erzählen?

Claudia Zaltenbach: „Ich habe ja immer mal wieder lustige Begegnungen mit dem Zoll, wenn ich von meinen Reisen zurückkehre. Einmal wurde ich rausgezogen, als ich aus den USA kam. Sie glaubten wohl, jetzt hätten sie einen besonders fetten Fisch an der Angel. Auf die Frage, was ich den so alles eingekauft hätte, hab ich nur Einmachgläser und Geschirrtücher geantwortet. Das haben sie mir natürlich nicht geglaubt und meinen Koffer durchsucht. Und was haben sie wohl gefunden? Einmachgläser und Geschirrtücher.“ 

Liebe Claudia, wir danken Dir sehr für das Interview und freuen uns auf viele weitere Rezepte und Bücher!

Die Bücher von Claudia bekommt ihr in unseren Lieblingsbuchhandlungen in München sowie bei Amazon:

TOFU, Yuba & Okara: Rezepte, Kultur, Menschen | Hädecke Verlag 32€

MISO: Rezepte – Kultur – Menschen | Hädecke Verlag 29€

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