Kultur

Im Auge des Betrachters

Update 03.02.2019: Die Austellung wurde verlängert bis 05.05.2019!

Aus Büchern Inspriationen bekommen… | Foto: Monika Schreiner

Eine geballte Ladung Kreativität bekommt Ihr im Moment im Literaturhaus zu sehne. Dort läuft zur Zeit die Ausstellung „Im Auge des Betrachters“ mit Arbeiten von Christoph Niemann. Auch wenn Ihr vielleicht im ersten Augenblick mit dem Namen nichts anzufangen wisst, die Zeichnungen von Christoph Niemann habt Ihr sicher schon mal gesehen. Als Illustrator arbeitet er für viele bekannte Zeitungen und Magazine, wie zum Beispiel das Süddeutsche Zeitung Magazin, New Yorker, Time, Wired, The New York Times Magazine, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und viele mehr.

Und wie erreicht man Kreativität? | Foto: Monika Schreiner

Zur Eröffnung führte uns Christoph Niemann selbst durch die Ausstellung, die wie ein Lehrbuch für Kreativität funktioniert. Nur selten hatte ich bisher das Gefühl, daß eine Ausstellung so viel von der Persönlichkeit des Künstlers einfängt wie hier. Das gibt dem Besucher eine Vorstellung davon, was es heißt künstlerisch tätig zu sein, aber zeigt auch die kreative Herangehensweise von Christoph Niemann.

Christoph Niemann  erklärt uns seine Welt | Foto: Monika Schreiner

Die Karriere des aus Waiblingen stammenden Grafikers, der an der Akademie in Stuttgart studiert hat, ist beeindruckend. Nach dem Studium geht er nach New York, um dort jahrelang für das Magazin des New Yorkers zu arbeiten. Von der Arbeit dort erzählt er, dass es sich primär seines Handwerks bedient habe. Anders schafft man es nicht sich in New York zu behaupten. Die Stadt dreht sich rasend schnell und es tobt ein hoher Konkurrenzkampf. Daraus entstand aber auch das Verlangen wieder anders mit Kreativität umzugehen.

So hat er irgendwann begonnen zu fragen, was die New Yorker über Politik und Zeitgeschehen noch interessieren könnte und ist eher zufällig über seine Kinder auf die Untergrundbahn gestossen. Damit ist er mit seiner Familie am Wochenende viel herumgefahren. Auf diese Weise hat er gemerkt, daß die New Yorker ein besonderes Verhältnis zu ihrer “Subway” haben. Herausgekommen ist im Zuge dessen ein Buch mit dem gleichnamigen Titel. Das Thema Zugfahren ist auch mehrfach in der Ausstellung vertreten. Mit einer VR Brille kann man sich auf die Reise begeben oder aber einen kleinen Film über das Zugfahren und die Zeit ansehen.

Nach mehr als zehn Jahren verläßt er die USA wieder und zieht nach Berlin, in die Stadt, die ihn während der Fussballweltmeisterschaft so begeisterte. Und auch hier beschäftigt ihn der öffentliche Nahverkehr, aber auf andere Weise. Für die Deutsche Bahn darf er für die Station Wannsee ein Mural gestalten. Aber auch sonst ist Christoph Niemann viel unterwegs. Im Flugzeug von Kontinent zu Kontinent, um Vorträge zu halten. Daraus ist auch eine Serie geworden, die man mit “so fühlen sich Menschen während eines Fluges” umschreiben könnte. Alles natürlich mit einem Augenzwinkern. Denn das gehört zu den Illustrationen dazu. Manchmal nutzt er seine freie Zeit auch, indem er mit Aquarellfarben durch die Städte zieht und vorwiegend Architektur mit kräftigen Farben aufs Papier bringt.

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Diese Arbeiten lädt er gerne auch auf sein Instagramfeed @abstractsunday hoch. Was er an der Plattform schätzt ist, ist das unmittelbare Feedback. Davor hat er sich oft gefragt, ob die Menschen seine Bilder begreifen oder ob sie zu abstrakt sind. Auf seinen Reisen macht er aber auch unzählige Fotos. Beim erneuten Ansehen hat er festgestellt, dass er sie nun anders sieht als in dem Moment, als er sie aufgenommen hat.

“Manche Fotografieren sind wie angefangene Geschichten bei denen die Pointe fehlt. Ich nehme dann gerne einen schwarzen Stift und erzähle das Bild weiter”. Christoph Niemann

So entstehen in seinen Fotodrawings ganz neue Zusammenhänge in eher konventionellen Motiven.

Christoph Niemanns Buch “Sundy Sketching” | Foto: Monika Schreiner

Mich persönlich faszinieren die “Sunday Sketches”, deren Idee es war, einfach mal anders zu denken. War bisher immer das Thema die Vorgabe, fing Christoph Niemann bei ihnen an, diese Vorgehensweise umzukehren und anhand von Alltagsgegenständen ganz neue Geschichten zu erzählen. Auch wenn man bei der Herangehensweise nicht immer sicher ist, was dabei herauskommt, ist das Ergebnis oft um so überraschender. Dazu ist auch ein tolles Buch entstanden.

Auch die Besucher sind kreativ | Foto: Monika Schreiner

Und da Christoph Niemann gerne seine Kunst als Handwerk bezeichnet, das man auch entsprechend immer wieder schulen muss, bedarf es immer wieder Fingerübungen (zum Beispiel Schönschreiben), um eine Meisterschaft zu erreichen bzw. zu erhalten. “Ein Sportler trainiert täglich, warum sollte das bei einem Künstler anders sein?” Deshalb gibt es in der Ausstellung auch einen Tisch mit verschiedenen Utensilien, mit denen sich kleine und große Besucher in ihrer Kreativität üben können.

Christoph Niemann – IM AUGE DES BETRACHTERS

Ausstellung im Literaturhaus München
9.11.2018 − 03.02.2019  verlängert bis 05.05.2019
Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr
Samstag / Sonntag / Feiertage 10 bis 18 Uhr

Eintritt 6€ / 4€ ermäßigt