AD Design Summit 2019

"How to live / Sustainable Elegance" war das Motto des AD Design Summit 2019, der Ende Nobember in der Alten Kongresshalle in München stattfand.
Rossana Orlandi bei AD Design Summit 2019
Rossana Orlandi bei AD Design Summit 2019 | Foto: AD Hannes Rohrer

Nachhaltigkeit war mit Sicherheit DAS Thema des nun fast schon zurückliegenden Jahres und natürlich haben wir uns auch auf ISARBLOG ausführlich damit auseinander gesetzt. Die immer größer werdenden #FridaysforFuture Demonstrationen zeigten deutlich, daß eine große Anzahl von Menschen auf dieser Welt genug hat von der systematischen Ausbeutung und Zerstörung unseres Planeten. Die Bundesregierung hat nur unzureichend mit einem Klimapaket reagiert, das eher als Mogelpackung angesehen werden kann. Bei der Windenergie wird momentan sogar der Rückwärtsgang eingelegt, während das Steinkohlekraftwerk im Norden von München trotz Bürgerentscheid noch eine Weile laufen wird.

Zuversichtlich stimmen uns dagegen die vielen jungen Startups und Gründer*innen aus München, die mit neuen Produkten und Dienstleistungen zeigen, daß Konsum auch nachhaltig und plastikfrei geht. So haben wir diesen Jahr unter anderem den zweiten Ohne Unverpackt Laden besucht, wir waren bei der Green Style Muc Messe und haben euch nachhaltige Mode Brands aus München vorgestellt.

Die dritte Ausgabe des AD Design Summit, der Ende November in der Alten Kongresshalle stattfand, drehte sich ebenfalls um das Thema Nachhaltigkeit / Sustainability. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Es gibt keine einfachen Lösungen und mit jeder Antwort ergeben sich neue Fragen.

FOR FOREST – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur

Klaus Littmann FOR FOREST Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur Kunstintervention 2019
FOR FOREST – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur, Kunstintervention von Klaus Littmann | Foto: Unimo / FOR FOREST

Auf den ersten Vortrag habe ich mich besonders gefreut. Mehr oder weniger durch Zufall haben wir während unseres Sommerurlaubs das Kunstevent For Forest in Klagenfurt entdeckt und besucht. Beim AD Design Summt berichtete Enzo Enea von Enea Landscape Architecture ausführlich von diesem besonderen Projekt, das er als Landschaftsarchitekt umgesetzt hat. Die Grundlage dafür war die Bleistiftzeichnung des Künstlers Max Peintner von 1970/71. Es zeigt einen Wald als Attraktion für die Zuschauer in einem Stadion vor der Kulisse einer Großstadt mit Industrieanlagen.

Max Peintner, "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" 1970/71
Max Peintner, “Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur” 1970/71

Kann man dieses Bild als Utopie bezeichnen? Wie weit sind wir davon entfernt? Die imposante Kunstintervention des Galerist und Kurators Klaus Littmann holt die Zeichnung von Max Peintner als Mahnmal in die Realität. Mit dem Wald im Stadion führt er uns einerseits die Schönheit der Natur vor Augen und erinnert zugleich an die drohende Zerstörung.

Martin Bergmann und Harald Gründl von EOOS stellen ihre Lösung für ein Problem vor, das den meisten Menschen noch gar nicht bewußt ist: Seit Jahrzehnten gelangt durch die Überdüngung und den menschlichen Urin zu viel Stickstoff und Phosphor in die Flüsse und damit ins Meer. Auch Medikamentenrückstände geraten über den Urin in großen Mengen in das Abwasser. Eineinhalb Liter Urin verunreinigen 180 Liter Wasser. Selbst mit modernster Klärtechnik ist der Aufwand der Aufbereitung immens. In Entwicklungsländern gelangen die Fäkalien komplett ungeklärt ins Meer. EOOS hat im Auftrag der Bill & Melinda Gates Foundation eine Toilette mit Urin Separation entwickelt.

New Narratives of Sustainability

Der zweite Block begann mit Vorträgen der Innenarchitektin Maria Speake aus London und dem Chefredakteur von Monocle, Tyler Brûlé. Auf Tyler Brûlé war ich sehr gespannt, aber letztlich fand ich seinen Vortrag enttäuschend. Es war eine mehr oder weniger zusammenhanglose Aneinanderreihung von privaten Schnappschüssen, die der Wallpaper Gründer mit Kommentaren und Anekdoten erläuterte. Wesentlich interessanter war dagegen der Bericht der Designerin Maria Speake, die sich mit ihrem Unternehmen Retrovious auf die Rettung und Wiederverwendung von Bauelementen und Möbeln spezialisiert hat. Sie ist ständig unterwegs in London auf der Suche nach dieser besonderen Art des Wohlstandsmüll. Dabei fand sie sogar schon eine unbenutzte Bulthaup Küche, die nach dem Verkauf einer Immobilie in Notting Hill entsorgt werden sollte, weil sie dem Geschmack der neuen Eigentümer nicht entsprach.

Bei der abschliessenden Panel Diskussion zu diesem Block gesellte sich zu den beiden Rednern noch der Münchner Designer Stefan Diez. Dabei ging es unter anderem auch um das Phänomen des Greenwashing. Mit der Verwendung von Recycling Material oder Plastikmüll aus den Ozeanen für Turnschuhe und andere Lifestyle Produkte wird versucht das Image einer Marke zu verbessern. Nachhaltigkeit wird bewusst als Marketingstrategie verwendet, um noch mehr Produkte abzusetzen. Laut Stefan Diez wird damit nur vom eigentlichen Problem abgelenkt: Wir müssen unser Konsumverhalten ändern. Aber genau hier liegt das Dilemma für Designer. Sie sind Teil des Problems und wer für große Marken arbeitet, lebt zum Teil auch von hohen Verkaufszahlen. Wer setzt schon gerne selbst die Säge an den Ast, auf dem er sitzt?

Die Unschuld von Plastik und was sind die Alternativen?

Die Mailänder Galeristin und Rossana Orlandi hat mit dem Projekt Guiltless Plastic eine intensive Auseinandersetzung mit dem Material Kunststoff in Gang gesetzt. Wie können wir den ganzen Abfall sinnvoll verwerten? Es gibt vielfältige Möglichkeiten der Wiederverwendung von Plastik. Rossana Orlandi mit den RO Plastic Prize einen Wettbewerb geschaffen, der in vier Sparten die Besten Beispiele kürt. Die Gewinner werden von einer namhaften Jury ausgewählt und im Rahmen einer Ausstellung im während des Salone del Mobile gezeigt. Der Bewerbungsschluss für den Guiltless Plastic Prize 2020 ist am 22. Februar 2020.

Die Vermeidung von Verpackung und dem damit verbundenen Müll ist eine große Herausfordung in unserer Konsumgesellschaft. Die Nachfrage nach anderen Lösungen steigt und hat zum Beispiel die ersten Verpackungsfreien Supermärkte hervorgebracht. Aber auch die Entwicklung von Alternativen zu Kunststoffen ist enorm wichtig.

sulapac plastikfrei
Biologisch abbaubare Verpackung aus Sulapac | Foto: Sulapac

Antti Valtonen von finnischen Startup Sulapac stellte in seinem Vortrag das gleichnamige Produkt vor. Sulapac besteht aus Holzfasern und natürlichen Bindemitteln und ist dadurch vollständig kompostierfähig. Selbst wenn es ins Meer gelangt, baut es sich ohne Rückstände aus Mikroplastik vollständig ab.

AD Design Awards 2019

Die Gewinnner des AD Design Awards beim AD Design Summit 2019
Oliver Jahn ( rechts ) mit den Gewinnern des AD Design Awards | Foto: Hannes Rohrer

Im Rahmen des AD Design Summit wurden erneut die AD Design Awards an internationale Nachwuchsdesigner in folgenden Kategorien vergeben:

Interiordesign
Emma Olbers (Schweden)
https://www.emmaolbers.com

Produktdesign
Luc von Hoeckel / Super Local (Niederlande)
http://lucvanhoeckel.nl/

Architektur
Espen Surnevik (Norwegen)
https://espensurnevik.no/

Kategorie Bestes Konzept
Pop-Hub von Nils Holger Moormann (Deutschland)
https://www.moormann.de/cms/pop-hub/

Readers’ Award
Malmö Upcycling Service (Schweden)
https://www.malmoupcyclingservice.com/

Ausführlicher Rückblick des AD Magazins auf den Design Summit 2019:

Vielen Dank an Condé Nast für die Einladung zum AD Design Summit!

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