#book 20. Juli 2015 //

Auf der Jagd nach Herrn Blaschke

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Schild “Kosmetik Fusspflege Schöner” von Karl Blaschke | Foto: Monika Schreiner

Vor kurzem hab ich mich in der Münchner Innenstadt getroffen, nicht zum Shoppen, sondern zum Windowshoppen. Genauer gesagt zum Betrachten von Geschäftsfronten. Was man da entdecken kann? Jede Menge sage ich. Jede Menge Blaschkes, allerdings verschwinden von Tag zu Tag mehr aus dem Stadtbild.  Nun wollt ihr sicher wissen, wer dieser ominöse Herr Blaschke ist? Karl Blaschke war ein Schildermaler, der vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren mit seinem Betrieb vorwiegend in der Münchner Innenstadt tätig gewesen ist. Einige seiner Werke sind immernoch zu sehen und eine kleine Auswahl schaue ich mir zusammen mit einer Gruppe Interessierten angeführt von Oliver Linke an. Dieser hat sich aus Leidenschaft zur Schrift in den letzen Jahren auf die Jagd begeben, um möglichst viele Werke des Handwerkers ausfindig zu machen. Dazu hat er auch ein Buch geschrieben. Desweiteren veranstaltet er zusammen mit der Typographischen Gesellschaft München ein paar Mal im Jahr Führungen, die sogenannten Typewalks. Bei ihnen durchstreift man die Stadt unter (typo-)grafischen, geschichtlichen und architektonischen Gesichtspunkten. Denn Schrift findet man vor allem in der Innenstadt überall, wenn auch nicht immer so beständig wie bei dem Qualitätsmaler Blaschke, dessen Schilder in vielen Fällen seit sechzig Jahren die Schaufenster schmücken und noch wie neu aussehen.

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Oliver Linke erzählt uns von Karl Blaschke | Foto: Monika Schreiner

“Er war nicht der Günstigste, aber der Beste!” erzählt Oliver Linke aus einem Gespräch mit einer ehemaligen Ladenbesitzerin. Jeder, der etwas auf sich gehalten hat und das entsprechende Geld hatte, liess bei ihm sein Ladenschild fertigen. Die Qualität übertrug sich auf die des Geschäftes. Viele der Schilder wurden von Hand gezeichnet und mit Blattgold versehen. Nach dem zweiten Weltkrieg stattete er zusammen mit bis zu siebzehn Mitarbeitern die ganze Maximilianstraße aus. Von seinen Werken wurden jedoch gerade in den letzten Jahren einige aus fehlenden Bewußtsein zerstört oder wegen Ladenaufgabe abmontiert. In dem bereits erwähnten Buch zur Führung mit Namen »Von Asam bis Zrenner – Auf den Spuren des Münchner Schriftenmalers Karl Blaschke« werden diese Verluste gelistet, aber mit der Farbe Schwarz hinterlegt, sozusagen als Trauerflor für die verlorenen Werke. Zu erkennen sind die Blaschkes übrigens an ihrer Signatur, die sich gewöhnlich in der rechten Ecke befindet. Was damals teuer war, ist es heute ebenso. Also Handwerker aufgemerkt, diese Scheiben sind erhaltenswert und für Sammler sehr interessant.

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Schild “Schürzen Kiessling” von Karl Blaschke | Foto: Monika Schreiner

Nachdem wir vom Alten Peter bis zur Frauenkirche gelaufen sind und allerlei Verschiedenes gesehen haben, endet unsere Tour am Blaschkehaus nahe des Sendlinger Tors. Ein Schriftzug an der Hauswand erinnert noch an die frühere Werkstatt, denn Herr Blaschke ist 1970 verstorben und inzwischen sind andere Mieter eingezogen. Mein Blick ist nun geschärft und meine Neugier zusätzlich auf die Geschichte der Reklame geweckt. Danke Oliver Link, es hat großen Spaß gemacht, sich auf diese “Reise” zu begeben.

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Typewalk zu Karl Blaschke | Foto: Monika Schreiner

Bei Interesse an einem Typewalk – die Idee hat Oliver Link aus England übernommen – wendet Euch an die Typographische Gesellschaft. Dort gibt es auch andere spannende Workshops, auf deren Seite findet ihr mehr. Ab und zu findet auch ein Typeride statt, das heißt, die Führung wird mit dem Rad gemacht. Das Buch von Oliver Link ist ganz normal im Buchhandel erhältlich. Mit ihm kann man auch selbst auf Tour gehen und Blaschkes Schilder entdecken, denn die Orte werden darin genau beschrieben.

“Von Asam bis Zrenner – Auf den Spuren des Münchner Schriftenmalers Karl Blaschke” von Oliver Link ist im August Dreesbach Verlag erschienen und kostet 19,80 Euro.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Alexander Broy
    21. Juli 2015 at 14:13

    Was für eine tolle Aktion, vielen Dank für den schönen Bericht.
    Es ist so überaus traurig, dass für Schilder nur noch geplottete Klebebuchstaben oder gar fertige Schilder verwendet werden. Das passt so sehr in die Zeit, warum sollte man sich für eine Laden/Firmenschild Mühe geben, wenn der Laden eh bald wieder Pleite macht …
    Es ist alles so traurig, aber schön zu wissen, dass noch ein paar Relikte einer achtsameren Zeit zu finden sind.
    Ich werde mir das Buch besorgen, und damit einmal durch die Strassen schlendern … oder vielleicht gibt es so eine Führung noch einmal?

    • Antworten
      Monika Schreiner
      22. Juli 2015 at 11:46

      Leider bietet die Typographische Gesellschaft diese Führungen nur circa zwei Mal im Jahr an und die Plätze sind sehr begehrt. Am besten schaut man auf deren Webseite nach den Veranstaltungen. Ich würde empfehlen, die Typographische Gesellschaft anzuschreiben und zu fragen, wann der nächste Typewalk geplant ist. Vielleicht gibt es bei verstärktem Interesse auch mal eine Sonderführung oder einen Typeride.

    Wie ist deine Meinung dazu?