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Mit Buch und Tisch an der Isar

Orientiert haben sich die Lisar-Macher an dem Vorbild Paris. Seit 1857 haben in der Metropole an der Seine die Antiquare, auch Bouquinisten genannt, feste Verkaufsstände an den Uferstraßen der Seine. Davon kann an der Isar keine Rede sein. Ich packe meinen Tapiziertisch aus, andere ihre Decken, Stühle, Wäscheständer, sogar die öffentlichen Parkbänke werden zur Buchpräsentation benutzt.

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Lisar Bücherflohmarkt I Foto: Monika Schreiner

Pünktlich um halb neun Uhr bin ich an Ort und Stelle und ergattere ein gutes Plätzchen in der Mitte und warte, nachdem ich alles schön arrangiert habe, bis zum offizielen Start eine Stunde später. Schön ist es, wenn die Sonne so durch die Bäume kommt und man die Passanten und Interessenten beobachten kann. Allerdings werde ich gleich zu Beginn von einem Besucher aus meiner Glückseligkeit gerissen, als dieser anfängt bei einigen meiner Bücher den Barcode zu scannen und dann nach dem Preis fragt. Als ich naiv “1 Euro 50” sage, kehrt er mir den Rücken zu und geht ohne ein weiteres Wort davon. “Das kann ja heiter werden”, denke ich mir.

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Lisar Bücherflohmarkt I Foto: Monika Schreiner

Klar, ich habe keine Verkaufsschlager im Programm, ein Großteil der Bücher sind Erbstücke, aber es sind auch ein paar noch in Folie verpackte hochwertige Bildbände mit dabei. Wenn ich einige Jahre zurück denke, habe ich noch bei ebay für einen Bestseller fünf Euro plus Porto bezahlt. Diese Zeiten sind längst vorbei. Der Wertverfall bei Büchern ist gleich dem von Computern. Sie sind schon beim Kauf nichts mehr Wert und das finde ich schrecklich. Eine Mitverkäuferin pflichtet mir bei und ich fürchte, wir beide sind ein wenig altmodisch. Nebenbei frage ich mich, wie ich die Standgebühr von zehn Euro zusammenbekomme, denn die meisten Besucher sind nicht bereit viel mehr als einen Euro auszugeben. Abgesehen von meiner Nachbarin, deren Krimis reissenden Absatz finden und das Stück zu vier Euro über den Wäscheständer den Besitzer wechselt. Da bin ich wenigstens ein bisschen versöhnt. Verstehe, Krimis muss man haben, vor allem Skandinavische. Um ein Uhr mache ich eine kurze Pause und drehe eine kleine Runde mit dem festen Vorsatz, nur die wunderbare Atmosphäre zu genießen und nichts mitzunehmen. Gar nicht so einfach, wenn man alte Bücher mag. Sie sind für mich nicht nur Lesestoff, sondern vielmehr auch Zeugnisse von einer vergangenen Tagen. So bleibe ich bei zwei Kochbüchern aus den fünfziger Jahren hängen und unterhalte mich angeregt mit der Verkäuferin. Ihre Mutter hätte daraus viel gekocht und gebacken sagt sie und nun hätte sie sie doppelt und “Wissen Sie was, ich schenke sie Ihnen, aber sie müssen mir versprechen, daraus zu backen”. Zunächst lehne ich ab, aber dann nehme ich sie doch mit größter Wertschätzung an und versichere ihr, “das werde ich”. Ein Rezept für meine ersten diesjährige Weihnnachtsplätzchen habe ich bereits darin gefunden.

Zurück bei meinem Stand, verkaufe ich dann noch so viel, dass ich sich die Standgebühr amortisiert hat. Sogar ein kleines Plus von vier Euro kommt zusammen. Das Rechnen fange ich besser nicht an, denn dann wäre es wesentlich unkomplizierter und günstiger gewesen, die Bücher einfach in einer Kiste auf die Strasse zu stellen. Natürlich hatte ich auch Spaß, aber zurück bleibt das Gefühl, dass die Leute einen Flohmarkt nur noch als ein ein gesellschaftliches Ereignis sehen. Ein ausgleichendes Geben und Nehmen findet nicht statt. Irgendwie schade.

Nächster Lisar Buchflohmarkt:
http://buecherflohmarktlisar.wordpress.com/

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