#design

Aus dem Untergrund hinaus in die Welt

Nicht dass ich eine unverbesserliche Nostalgikerin wäre, aber ich weiss alte Dinge zu schätzen. Und wenn man ihr Design zeitgemässer macht – ihnen einen neuen Look gibt – können coole Produkt dabei rauskommen, so wie zum Beispiel bei der Automarke MINI. Aber ich will heute nicht über Autos schreiben, sondern von Zügen, genauer gesagt von den Münchner U-Bahn Zügen. Sie wurden für die Olympischen Spiele 1972 in München gebaut und fahren seit 1971 Münchner und Touristen gleichermassen durch die Stadt. Nun über vierzig Jahre später, werden die Stationen fleissig modernisiert und seit einigen Jahren gibt es auch neue Züge. Allerdings finde ich es schade, dass man den Bahnhöfe manchmal das Gesicht nimmt. Ich sage nicht, dass sie unbedingt außerordentlich schön sind, aber charakteristisch. Das gilt auch für die U-Bahn Züge. Die alten ziehe ich den neuen vor, schon wegen der Sitze.

Kurzzug_Taschen_Ubahn_002

Das Basismaterial für Kurzzug Taschen | Foto: Monika Schreiner

Das dachte sich auch Jörg Schleburg. Als er vor drei Jahren in der U-Bahn unterwegs war, bekam er zufällig mit, wie sich zwei Menschen dort wiedergegegnet sind, die sich anscheinend aus den Augen verloren hatten und kam ins Überlegen. Was für Geschichten diese Bahnen in sich tragen. Münchner Geschichten und auch die von Touristen, von arm und reich, von Erfolg und Scheitern, vom Trennen und Versöhnen. Jeder Münchner hat sicher seine eigene kleine U-Bahngeschichte parat. Besonders fazinierten Jörg Schleburg die petrolblauen Sitzbänke. Daraus könnte man doch was machen, hat er gedacht. Deshalb hat er sich erkundigt und versucht, die Bezüge von den ausrangierten Bahnen zu bekommen, welche ansonsten im Müll gelandet wären. Sie sind aus besonders strapazierfähigem Kunstleder. Damit experimentierte er und die Idee zu einer Tasche war geboren. Als es an die konkrete Umsetzung ging, kam sein jetztiger Geschäftpartner Wolfgang Bischoff dazu. Er arbeitet in der Textilbranche und war auch sofort begeistert.

Werner Bischoff, einer der beiden Gründer von Kurzzug, in seinem Atelier | Foto: Monika Schreiner

Werner Bischoff, einer der beiden Gründer von Kurzzug, in seinem Atelier | Foto: Monika Schreiner

Zusammen fuhren sie nach Italien, um jemanden zu finden, der die Taschen herstellen konnte. Gerne hätten sie auch in Deutschland produziert, aber das dazu nötige Knowhow hat hier so gut wie niemand mehr. So werden ihre Upcylcing-Taschen mit dem Namen Kurzzug nun in Padova gefertigt und zwar auf Bestellung. Von Hand gefertigt, ist jede Kollektion limitiert auf dreihundert Stück.

Kurzzug_Taschen_Ubahn_001

Schlüsselanhänger aus Leder und Aluminium den Tageln in den Ubahnen nachempfunden | Foto: Monika Schreiner

Die aktuelle Kollektion der Kurzzug Taschen besteht aus einer Stadttasche, einen kleinem Beutel, Geldtasche genannt, mit dem man das Innenleben der eigenen Taschen besser organisieren kann, einem Schlüsselanhänger und einem sogenannten Wochenender, gedacht zum Beispiel für kleine Städtereisen. Varianten und Erweiterungen der aktuellen Kollektion sind bereits in Planung, denn Material haben die beiden genügend, erzählt mir Wolfgang Bischoff, als ich ihm im seinem Atelier in Schwabing besuche. Um ihre Geschäftsidee weiter voranzubringen, haben die beiden Gründer eine Crowdfunding Kampagne auf startnext ins Leben gerufen.

Wer die Taschen mal in natura sehen möchte, der kann sie sich im Laden Ralfs in der Frauenhoferstrasse ansehen. Das Konzept der beiden Unternehmer sieht vor, dass man die Taschen bei einem Händer vor Ort ansehen kann. Will man eine Tasche kaufen, sagt man es dem Verkäufer, dieser gibt die Bestellung weiter. Die Tasche wird dann in etwa sechs Wochen nach Hause geliefert. Eine prima Idee, wie ich finde, denn so hat der Einzelhandel vor Ort was und auch das frischgegründetes Label. Wer Jörg und Wolfgang via startnext unterstützen möchte oder einfach nur eine schöne Tasche erwerben will, kann das noch bis 14.04.2016 tun.

Kurzzug_Taschen_Ubahn_007

Ähnliche Artikel:

2 Kommentare

  • Antworten
    Pit
    29. April 2016 at 14:25

    „Sie wurden zur Olympiade in München gebaut.“Wahrscheinlich meinen Sie nicht die Olympiade, sondern die Olympischen Spiele…
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Olympiade

    • Antworten
      Gerhard Bauer
      1. Mai 2016 at 13:31

      Hallo Pit, danke für den Hinweis. Dieser Unterschied war uns nicht bewußt und wir haben den falschen Begriff verwendet. Wurde soeben korrigiert!

    Wie ist deine Meinung dazu?