#theater 19. Dezember 2012 //

Franziska 2.0

Andreas Kriegenburg inszeniert “Franziska” von Frank Wedekind an den Münchner Kammerspielen

Im Jahr 1912 nahmen die Kammerspiele München den Spielbetrieb in der Augustenstraße auf und zeigten noch in selben Jahr als Uraufführung ein neues Stück des damals in München ansässigen Dramatikers Frank Wedekind. “Franziska” war der Gegenentwurf des Bürgerschrecks Wedekind zu Goethes Faust. Die Hauptrollen des Stücks übernahmen Frank Wedekind und seine Frau selbst. Dies war nicht unüblich bei Wedekind, denn oft war es schwer Schauspieler zu finden, die bereit waren in seinen provokanten Stücken teilweise auch nackt auftreten.

100 Jahre später feiert das Stück nun wieder in München Premiere. Was vor hundert Jahren ein Skandal war, ist heute nur noch die Momentaufnahme einer Gesellschaft, die nicht mehr existiert. Im Jubiläumsjahr der Münchner Kammerspiele verpasst der Regisseur Andreas Kriegenburg dem Stück ein Update und bringt eine moderne Franziska auf die Bühne – genau genommen auf seine Bühne. Denn auch diesmal ist Kriegenburg nicht nur für die Inszenierung, sondern auch für das Bühnenbild zuständig. Wer Kriegenburgs Inszenierungen der letzten Jahr kennt, weiß das seine Arbeiten auch immer von ungewöhnlichen und vor allem beweglichen Bühnenbildern leben.

Kriegenburg trennt seine Tätigkeit als Bühnenbildner und Regisseur jedoch so stark, dass er bei der Arbeit am Bühnenraum keinen Gedanken an die Realisierbarkeit verschwendet. Als Regisseur fragt er sich danach dann oft, was er nun mit dem vorgegebenen Raum machen soll. Diese und andere Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Inszenierung erläutere Kriegenburg den interessierten Zuhörern im Rahmen der Probenzeit an den Kammerspielen.

Franziska, die Hauptperson des Stücks ist für den Regisseur Andreas Kriegenburg “eine faszinierende Figur von nicht zu bändigender Lebensgier”. Gleich zu Beginn darf Franziska, die hervorragend von Brigitte Hobmeier verkörpert wird, ihre ganze Lebenslust herausschreien und ab dieser Szene ist sie im weiteren Verlauf des Abends kaum zu bremsen. Das einzig wahre Hindernis mit dem sie und die anderen Protagonisten auf der Bühne zu kämpfen haben, ist die riesige rote Sitzschlange, die ihre Position immer wieder verändert und als das einzige Requisit des ganzen Stücks dient.

Während es bei Faust der Teufel ist, der mit der Aussicht auf die Erfüllung eines Traums lockt, begegnet Franziska dem Veit Kunz ( gespielt von Oliver Mallison ), der ihr zwei Jahre als Mann und damit die Befreiung von gesellschaftlichen und moralischen Fesseln verspricht. Im Gegenzug soll ihm Franziska danach lebenslang als Sklavin zur Verfügung stehen.

Neben Franziska tummeln sich meist viele weitere Figuren auf der Bühne, die eines gemeinsam haben: Die Schauspieler stecken in Fatsuits und tapsen schwergewichtig und slapstickhaft über die Bühne. Diese fantastischen Kostüme, die auf jeden Schauspieler persönlich abgestimmt sind, stammen von Andrea Schraad, die für Andreas Kriegenburg “eine wirkliche Künstlerin und seine reichste Inspirationsquelle” ist. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist in höchstem Maße sehenswert. Vor allem auch weil einmal das talentierte Schauspielensemble der Münchner Kammerspiele mit großer Lust am Theaterspiel glänzt.

Franziska

Münchner Kammerspiele
Regie: Andreas Kriegenburg
Weitere Infos und Termine: www.muenchner-kammerspiele.de

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