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E la nave va

E la nave va | Kammerspiele München, Regie: Simon Johans

E la nave va | Foto: Julian Röder, Kammerspiele München

Besser hätte das Timing gar nicht sein können. Der Altweibersommer ist vorbei und die Münchner Theater nehmen wieder den Betrieb auf. Letztes Wochenende haben wir uns gleich zwei neue Produktionen angeschaut. Am Freitag “Das weite Land” von Arthur Schnitzler, die erste Inszenierung von Martin Kušej in seiner neuen Funktion als Intendant des Residenztheaters. Am Samstag gings dann in die Kammerspiele zu “E la nave va”, der Bühnenversion von Fellinis Film “Schiff der Träume” unter der Regie des Intendanten Johan Simons.   Thematisch macht Simons also da weiter, wo er im letzten Jahr mit “Hotel Savoy” und dem Lesemarathon “Erfolg” begonnen hat. Das Europa des 20. Jahrhunderts ist sein großes Thema und die Auseinandersetzung mit der Zeit vor dem 1. Weltkrieg findet in dieser neuen Inszenierung auf äusserst unterhaltsame Art und Weise statt. Das aussergewöhnliche Bühnenbild von Bert Neumann ist das gefällige Spielfeld für das Kammerspiele Ensemble. Seit seinem Amtsantritt im letzten Jahr setzt Simons beim Bühnenpersonal auf Kontinuität und die wenigen Neuzugänge mochte man bereits nach kurzer Zeit schon nicht mehr missen.

Im Sport wird oft die Mannschaft zum Star ausgerufen, wenn sie keines herausragenden Spielers bedarf. Von den Schauspielern, die in diesem Stück auf der Bühne stehen, kann man ebenso wenig jemand hervorgehoben. Und damit auch dem letzten Zuschauer klar wird, wie sehr man in den Kammerspielen auf das Kollektiv setzt, dürfen auch die Mitarbeiter die normalerweise nie zu sehen sind in Form des “Chors der Heizer” im Rampenlicht glänzen und den Abend musikalisch bereichern.

“E la nave va” erzählt von der Seebestattung einer Operndiva, bei der sich eine illustre Runde auf einem Kreuzfahrtschiff versammelt und letztendlich in mehrfacher Hinsicht Schiffbruch erleidet. Trotz der Länge von über drei Stunden inklusive Pause ist diese gelungene Filmadaption nie langatmig und immer dynamisch. Bei Kostüm und Bühnenbild wurde gar erst nicht versucht, die Handlung in den Gegenwart zu verschieben und doch sind die behandelten Themen erschreckend aktuell und vertraut. Das Schiff mit seinen verschiedenen Ebenen als Spiegelbild unserer Gesellschaft ist mit dem Bühnebild von Bert Neumann intelligent umgesetzt. Die Welt der Oberen befindet sich bereits in einer bedenklichen Schräglage und langsam aber sicher scheinen sich die Heizer aus der “Unterwelt” nicht mehr mehr allzu lange mit ihrem Schicksal abfinden zu wollen. Denn nur durch ihre Arbeitsleistung wird das Leben der Boheme auf dem Sonnendeck erst in dieser Form erst möglich. Aber trotz aller gesellschaftskritischer Anspielungen besticht dieses Stück in erster Linie durch seinen Tragikomik, die mit großer Spiellaune dargeboten wird. Die Kammerspiele haben mit diesem Stück gleich richtig Fahrt aufgenommen und man darf sich zurecht freuen auf das was in dieser Spielzeit noch kommen mag.

JOHAN SIMONS: “Fellinis Film zeigt auf der einen Seite die Oberschicht auf dem Oberdeck mit ihren Luxusproblemen und ihrer schönen Musik. Andererseits schuften und schwitzen im Schiffsbauch die Arbeiter in schlechter Luft. Kriegsflüchtlinge, die auf dem Dampfer aufgenommen werden, sind von der feinen Gesellschaft separiert, weil man Angst vor ihnen hat. Das ist ein Bild für diese westliche Welt und es wird schlimmer. Wir müssen uns fragen, wer steuert unser Schiff und wohin fährt es?”

Weitere Informationen zu “E la nave va” auf der Webseite der Münchner Kammerspiele 

E la nave va | Kammerspiele München, Regie: Simon Johans

FOTO: E la nave va / Copyright: Julian Röder, Kammerspiele München

 

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1 Kommentar

  • Antworten
    Tonstudio München
    21. Oktober 2011 at 02:00

    Hört sich spannend an. Danke für die Infos!

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