#architecture 21. April 2017 //

Das Werksviertel wird Realität

Werksviertel München | Foto: ISARBLOG

Der Ostbahnhof mit seinen zahlreichen Gleisen wirkte bisher wie eine Zäsur zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite das schön anzusehende Haidhausen, das eine hohe Lebensqualität bietet und in dem wir seit vielen Jahren sehr gerne wohnen. Auf der anderen Seite beginnt Berg am Laim und damit eine krude Mischung aus Gewerbe, Industriebrachen und Bürogebäuden. Es gab wenig Gründe, sich auf die andere Seite zu begeben, ausser wenn man für sein Auto in Haidhausen keinen Parkplatz fand oder in die Berge fahren wollte.

Ein neues Viertel entsteht

Dank Kunstpark Ost und Optimolwerke glich früher der Aufenthalt im Ostbahnhof am Samstag Abend einer Geisterbahnfahrt auf dem Oktoberfest. Mit 90% von dem, was da drüben geboten wurde, konnten wir nichts anfangen. Folglich waren wir eher selten auf der anderen Seite unterwegs. Ich hatte das Gefühl, daß wir am südlichen Rand „unseres“ Münchens lebten. Seit einigen Monaten hat sich das komplett geändert. Die Feierbiester vom Wochenende haben sich in Richtung Feierbanane verabschiedet und auf dem ehemaligen Kunstparkgelände nimmt das neue Werksviertel konkrete Formen an. Nach dem letzten Sommer sah plötzlich alles anders aus und das Ende der Veränderung ist noch gar nicht absehbar.

Werksviertel München | Foto: ISARBLOG

Zum Architekturwettbewerb für den neuen Sinfoniesaal wurden die renommiertesten Architekten der Welt eingeladen und bereits jetzt bauen dort international bekannte Architekturbüros wie MVRDV aus Rotterdam. Das Besondere am Werksviertel: Es wurde und wird nicht alles dem Boden gleich gemacht, ein Teil der Bestandsgebäude bleibt erhalten und wird in das Gesamtkonzept integriert.

Werksviertel München | Foto: ISARBLOG

Momentan herrscht dort eine spannende Mischung aus revitalisierten Altbauen, Umnutzungen, Zwischennutzungen und Neubauten. Große Unternehmen wie die Munich Re oder Linde ( BeeZero ) haben sich bereits auf dieses spannende Konzept eingelassen und dort Abteilungen angesiedelt. Aber auch für die Kreativen und Münchner Startups soll weiterhin Platz vorhanden sein. Das Konzept scheint aufzugehen und es macht Spaß das Gelände zu erkunden, weil man immer etwas Neues entdeckt.

Container Collective – Der wilde Osten wird zum Spielplatz der Lokalmatadoren vom Gärtnerplatz

Kein Wunder also, daß auch die shrn Crew das Land hinter dem Ostbahnhof entdeckt hat. Im Gegensatz zum Gärtnerplatzviertel gibt es dort viel Platz und keine lärmempfindlichen Nachbarn. Mit dem Container Collective haben Robinson Kuhlmann & Konsorten das spannendste Zwischennutzungsprojekt seit Langem auf stählerne Beine gestellt. Für mindestens drei Jahre steht nun neben dem Werk3 eine Ansammlung von Übersee Containern, die auf verschiedenen Ebenen Cafes, Bars, Shops, Büros oder Werkstätten beherbergen.

Tagsüber lohnt ein Besuch in der Kantine de Janiero, wo es Kaffee, Kuchen und Snacks gibt. Von der Bar Bel Air, die darüber liegt, hat man einen schönen Ausblick über das Container Collective Gelände. Dort serviert Neville Kuhlmann und sein Team Cocktails und ausgefallene Salate, wie wir sie bisher nur vom Attentat Griechischer Salat kannten. Bei unserem Besuch am Wochenende war die sonnige Terrasse stets gut gefüllt und das dürfte in Zukunft sicher oft der Fall sein.

Dank dem Werksviertel ist unser München bereits jetzt ein Stück „größer“ und interessanter geworben. Wir sind gespannt, wie es weiter geht und freuen uns auf viele weitere Entdeckungen auf der anderen Seite des Ostbahnhofs.

ISARBLOG Tipp:
Nicht erst seit unserer Streetart Safari mit Martin Arz sind wir große Fans dieser Kunstform in all ihren Varianten. Wer im Werksviertel unterwegs ist, wird auf zahlreiche Werke in jeder Größenordnung von Loomit, HNRX oder vielen anderen Künstlern stoßen. Viele davon sind erst in den letzten Wochen entstanden und es werden sicher ständig neue Werke dazukommen. Das Werksviertel ist somit auch zu Münchens größter Openair Streetart Galerie geworden.
Werksviertel Ostbahnhof München Streetart // Foto: ISARBLOG

Streetart von HNRX // Foto: ISARBLOG

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6 Kommentare

  • Antworten
    Marco Lucca
    4. Mai 2017 at 14:38

    Vielen herzlichen Dank für den ehrlichen Bericht. Ich freue mich immer sehr über die Haidhausner Grünen Gutmenschen Berichte. Als gebürtiger und in Trudering aufgewachsener und schon seit 15 Jahren in Berg am Laim daheim, kann ich Ihnen mitteilen das der Stadtbezirk Berg am Laim nicht nur aus dem Werksviertel besteht, sondern sehr viele andere Ecken hat. Fahren Sie doch einmal nicht in die Berge, sondern radeln von Haidhausen Richtig Osten und schauen sich die vielen Einfamilienhäuser entlang der Sonnwendjochstraße oder Waldstraße einmal an. Die Grenze zwischen Berg am Laim und Trudering ist die Rofanstrasse. Einige Haidhauser Bürger haben sich im neuen Stadtquartier Baumkirchen MItte niedergelassen. Allerdings sind das alle Einheimische Münchner Bürger denen das Hipster Getue dermaßen auf die Nerven geht. Der Stadtbezirk Berg am Laim ist ein moderner Stadtbezirk und aufgrund von Haidhausner Einwänden (Sichtachse!) werden die Hochhäuser leider auch nicht richtig hoch. Das bedauere ich als moderner, der Zukunft aufgeschlossener Mensch ziemlich. Ich darf mich bei Ihnen dennoch für Ihren Bericht bedanken und empfehlen Ihnen ein weiteres Projekt der Zukunft, die “Macherei Berg am Laim”. Außerdem bin ich sehr zufrieden, in einem Stadtbezirk zu wohnen in dem immer noch kein Bio Laden besteht. Mit vielen Grüßen von einem echten Münchner!

    • Antworten
      Gerhard Bauer
      4. Mai 2017 at 21:03

      Hallo Marco, vielen Dank für deinen ehrlichen Kommentar. Mein Kommentar zu Berg am Laim ist natürlich eine satirische Übertreibung und nicht ganz ernst gemeint. Ich freue mich, daß wir durch das Werksviertel ein wenig zusammenwachsen und verspreche dir, daß wir dieses Jahr noch öfter durch Berg am Laim radeln ( zu den Erdbeerfeldern ) und davon berichten werden. Grüße, Gerhard.

      • Antworten
        Marco Lucca
        5. Mai 2017 at 09:59

        Auf den Erdbeerfeldern wohnen wir seit 2003. Die wurden bereits 1992 von der Münchner Rück, Versorgungskammer und Versicherungskammer bebaut.

        • Antworten
          Monika
          6. Mai 2017 at 00:21

          Hallo Marco, ich kenne Berg am Laim ganz gut. Auch die Erdbeerfedler, die es ja nicht mehr gibt. Ausserdem radele ich jeden Sommer regelmässig an den BUGA See und hab in Berg am Laim sogar mal gearbeitet. Dort gibt es auch spannende Projekte wie zum Beispiel in der Streitfeldstrasse oder den Blanc Kunstverlag. Allerdings neben einem Gewerbegebiet, ist es auch primär ein Wohnviertel und es passiert nicht so viel und das findest Du, wie ich verstanden habe, ja auch gut. Also ist alles in Ordnung so wie es ist…. Es grüßt herzlich Monika

  • Antworten
    Hey Minga Tours » ISARBLOG
    31. Mai 2017 at 22:40

    […] gehts beim Container Collective. Dort holt uns unser Guide Gini für die Tour ab und wir machen einen kleinen Spazierung durch das […]

  • Antworten
    GRLZ Collective » ISARBLOG
    29. Juli 2017 at 11:44

    […] einiger Zeit gibt es ja auf dem Gelände des Werksviertel das Container Collective, in dem viele Kreative Münchens eine temporäre Heimat gefunden haben. Deshalb passt es so super, […]

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