#art 23. Juli 2013 //

A Space Called Public

A Space Called Public

Han Chong, “Made in Dresden”, Münchner Viktualienmarkt | Foto: Monika Schreiner

Ein umgestürzter Buddha erregt gerade Aufsehen auf dem Münchner Viktualienmarkt. Entdeckt hab ich ihn schon vor einiger Zeit beim Vorübergehen und denke mir, da wird wohl wieder ein neues Restaurant in der Schrannenhalle eröffnen, in dem dieser als Deko dient. Während ich solche Überlegungen anstelle, hab ich genau die Erwartungen des Künstlers Han Chong erfüllt. Mit seiner Skulptur “Made in Dresden” will er auf die inflationäre Verwendung Buddhas in der westlichen Welt aufmerksam machen. Buddha wird nahezu gleichgesetzt mit Asien, wird zum Symbol einer Vorstellungswelt. Religion spielt, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Dass dieses Kunstwerk bei der asiatischen Bevölkerung auf Unverständnis stösst und für sie blasphemische Züge trägt, ist nicht verwunderlich. Rufe werden laut, dass Buddha keine Kunst sei. Und ich sage, es ist die gelungenste Arbeit des von Elmgreen & Dragset kurierten Kunstprojekts “A Space Called Public”, in dem es inhaltich um den Diskurs im öffentlichen Raum geht. Sie regt zum Nachdenken über unsere Sicht auf Asien an, schiebt gleichzeitig Diskussionen bei den Betrachtern an und fördert die Interaktion.   

Gemäß der buddhistischen Traditionen werden Blumen zu Ehren des Religionsgründer niedergelegt. Dennoch kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass, jedes Mal, wenn ich die Installation passiere, ich die Figur aufrichten möchte, denn ich schätze Buddha sehr und weiss, dass es zum Beispiel in Thailand verboten ist, Buddhas auszuführen, um diesen vor dem “Missbrauch” durch die westlichen Welt zu schützen. Es ist die Form des “Sitzenden als Liegender” und der Ort, die erregen. Denn zum Beispiel in Wat Pho in Thailand verehrt man eine riesengrosse liegende Buddha Statue. 

Wer sich weiter mit dem Thema befassen möchte, kann dies im Rahmen einer von der Stadt München organisierten Podiumsdiskussion am 23.7.2013 tun, welche um 20 Uhr im Münchner Stadtmuseum stattfindet.

#wann noch bis 30.9.2013
#wo verschiedene Orte München
#web Weitere Informationen zum Projekt “A Space Called Public” auf aspacecalledpublic.de

 

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4 Kommentare

  • Antworten
    Peter
    26. Juli 2013 at 18:43

    Hallo, ihr beiden. Ich bin wie Ihr der Meinung das der liegende Buddha eines der besten Werke von A space called public ist. Es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich die vorbeigehenden Menschen die Statue wahrnehmen und stehenbleiben um zu diskutieren und sich Gedanken machen.
    Meine Beobachtungen dabei habe ich auf meinem Blog festgehalten: http://stadtrandblog.de/kunst-im-offentlichen-raum-a-so-a-schmarrn/
    Leider konnte ich nicht auf die Podiumsdiskussion gehen, das hätte mich schon sehr interessiert. Wart Ihr dort und könnt was berichten?

    • Antworten
      Gerhard Bauer
      26. Juli 2013 at 21:21

      Hallo Peter, wir waren leider nicht bei der Diskussion, da wir keine Zeit hatten. Wäre sicher interessant gewesen!

      • Antworten
        Peter
        26. Juli 2013 at 21:26

        Ja ärgerlich, ich war ja leider auch verhindert. Konnte auch bislang nichts im Netz über diesen Abend finden.

  • Antworten
    Mister Knott
    29. Juli 2013 at 11:07

    Zum vielleicht besseren Verständnis der Skulptur bzw. der Aktion hätte gleichzeitig – möglicherweise an der Frauenkirche – ein umgestürztes Kruzifix mit der Gravur “Made in Hongkong” platziert werden sollen.

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